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Kapital Medien, 21. April 2015
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Was kommt nach dem Steigflug?

Die Aktie der Flughafen Wien AG (ISIN AT0000911805) weist auf Sicht von drei Jahren die beste Wertentwicklung im österreichischen Börsenindex ATX auf. Angesichts der Ukraine-Krise war dies nicht unbedingt zu erwarten. Wie wird es nun weitergehen?

 

Durch seine geografische Lage in Zentraleuropa gilt der Flughafen Wien im weltweiten Luftverkehr als wichtige Drehscheibe. Positiv wirkt sich dabei auch die Straßenanbindung mit Autobahnsystemen, die direkt nach West- und Osteuropa führen, aus. Das Streckenangebot des Flughafens umfasst mehr als 240 Destinationen, wovon sich über 40 Ziele in Osteuropa befinden.

Neuer Passagierrekord
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen, Stichwort Ukraine-Krise, meldete der Flughafen Wien für das letzte Jahr nach einem leichten Rückgang im Jahr 2013 wieder eine Steigerung der Passagierzahlen. 22,5 Mio. Fluggäste wurden am Airport der österreichischen Hauptstadt im Jahr 2014 abgefertigt. Dies entspricht einem Plus von 2,2 % gegenüber dem Vorjahr und ist zugleich ein neuer Passagierrekord.

Die Umsatzerlöse stiegen im letzten Jahr um 1,3 % auf 630,2 Mio. Euro. Das Nettoergebnis kletterte um 12,5 % auf 82,5 Mio. Euro. Das Frachtaufkommen entwickelte sich ebenfalls sehr gut und stieg um 8,3 % auf 277.532 Tonnen. Die Flughafen Wien AG wird die Dividende für das Jahr 2014 um 26,9 % auf 1,65 Euro anheben. Im Vorjahr wurde 1,30 Euro ausgeschüttet. Beim derzeitigen Börsenkurs von 79,57 Euro entspricht dies einer aktuellen Dividendenrendite von 2,07 %.  Die diesjährige Hauptversammlung findet am 6. Mai statt, Ex-Dividenden-Tag ist der 11. Mai und Zahltag der Dividende der 13. Mai. Die Ausschüttungsquote beträgt 42 %.

Der Ausblick ist positiv
Der Start ins neue Jahr verläuft noch holprig. Die Anzahl der abgefertigten Passagiere ging im Februar 2015 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,2 % auf 1,3 Mio. Fluggäste zurück. Ausschlaggebend waren dafür neben einem rückläufigen Flugangebot der Austrian Airlines die Krisensituationen in Russland und der Ukraine und die damit verbundenen Rückgänge im Transferverkehr. So verzeichnete Osteuropa bei den Passagierzahlen einen Rückgang von   18,2 %.
Gut haben sich hingegen die Auslandsbeteiligungen der Flughafen Wien AG entwickelt: Die Passagierzahlen des Malta Airport stiegen in den ersten zwei Monaten 2015 um 6,4 % auf 417.799 Passagiere. Am Flughafen Kosice in der Slowakei stieg die Anzahl der Passagiere im selben Zeitraum um 10,2 % auf 33.655 Passagiere.

Aufgrund der anhaltend schwierigen Situation in Osteuropa sowie dem Nahen und Mittleren Osten erwartet die Flughafen Wien AG verkehrsseitig ein rückläufiges erstes Quartal 2015. Im weiteren Jahresverlauf soll sich diese Entwicklung aber wieder verbessern und für das Gesamtjahr 2015 wird ein Passagierzuwachs von bis zu 2 % erwartet. Impulse dafür sollen die im Sommerflugplan 2015 vorgesehenen Aufstockungen und Erweiterungen der Flugangebote der Airlines ab Wien, beispielsweise zu Destinationen in den Vereinigten Staaten sowie zu weiteren Zielen in Europa, liefern.
Hinzu kommt der voranschreitende Ausbau des Flughafens zur Airport City. Der Standort ist bereits über Fernzüge direkt erreichbar. Der 60. Eurovision Song Contest vom 19. bis 23. Mai dürfte sich ebenfalls positiv auswirken. Dementsprechend soll der Umsatz in diesem Jahr auf über 645 Mio. Euro steigen. Das Konzernergebnis soll 85 Mio. Euro übertreffen. Die Nettoverschuldung des Unternehmens soll weiter auf unter 500 Mio. Euro reduziert werden.

Kurs im Steilflug
Die Flughafen Wien AG wurde im Jahr 1992 privatisiert und notiert seitdem an der Wiener Börse. Die Airports Group Europe, eine indirekte Tochter des Investmentfonds IFM, ist seit Dezember 2014 neuer Großaktionär. Die Australier hatten am 7.10.2014 ein freiwilliges Übernahmeangebot für bis zu 29,9 % der Flughafen-Aktien zum Preis von 80 Euro abgegeben. Später wurde die Offerte auf 82 Euro angehoben. IMF investiert in Infrastrukturprojekte und sieht sich selber nicht als Heuschrecke, sondern als langfristiger Investor. Der Großteil der Investoren des IFM sind institutionelle Pensionsfonds. Im Besitz der Bundesländer Wien und Niederösterreich befinden sich jeweils 20 % der Aktien. Und die rund 4.400 Mitarbeiter des Unternehmens halten über eine Stiftung 10 % der Aktien, der Rest befindet sich im Streubesitz.

Die Kursentwicklung ist beeindruckend. In den letzten drei Jahren hat sich der Wert knapp verdoppelt und ist damit mit Blick auf die Performance der beste Wert aus dem österreichischen Leitindex ATX. Auf Sicht von sechs Jahren hat sich der Titel sogar mehr als vervierfacht. Dies liegt natürlich u. a. auch an dem erwähnten Übernahmeangebot der IMF-Tochter. Kann es aber so weitergehen?

Kursziel erhöht
Die Wertpapierexperten der Raiffeisen Centrobank meinen ja, sie setzten ihr Kursziel für die Aktien kürzlich von 80 auf 85 Euro nach oben. Das Anlagevotum bleibt bei „hold“. Für Kursfantasie kommen aus Sicht der Analysten künftige Investitionspläne und eine später im Jahr noch erwartete neue Dividendenpolitik infrage. Es wird ein Gewinn je Aktie von 4,43 Euro für 2015 sowie 4,95 Euro für das Folgejahr prognostiziert.

Auf Basis des aktuellen Kursniveaus von 79,57 Euro liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Schätzung der Raiffeisen Centrobank für den Ertrag im Jahr 2015 bei 17,96 und für 2016 bei 16,1. Ein durchaus akzeptables Bewertungsniveau. Aktuell beurteilen wir die Aktie als fair bewertet. Die Luft wird allmählich allerdings dünner.

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Flughafen Wien AG (ISIN AT0000911805)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: yahoo.de | Kurs am 20.4.2015: 79,57 Euro

Werner W. Rehmet, Chefredakteur MyDividends.de
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