Aus dem Verlag.

Kommentar, 21. Mai 2013
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Trau, schau, wem!

Haben der Fall Zypern und die Zwangsabgabe auf Sparguthaben bei Ihnen auch eine Spur Verunsicherung hinterlassen? Wenn ja – man kann es Ihnen nicht verdenken.

 

Ich möchte Sie nun nicht weiter verunsichern, wohl aber Ihre Aufmerksamkeit auf drei Punkte lenken, die mir wichtig erscheinen in diesem Zusammenhang:

 

Erstens: Ist Ihnen bewusst, dass jede Spareinlage ein Darlehen an die Bank darstellt? Wenn nun die durchaus berechtigte Forderung aufkommt, dass Bankenrettungen künftig in erster Linie von Aktionären sowie Gläubigern getragen werden sollen, dann betrifft dies alle Sparer unmittelbar. Denn als Darlehensgeber sind sie Gläubiger der Bank. Und Gläubigern droht im Fall der Insolvenz des Schuldners der Verlust des Darlehensbetrags. Als Ausgleich für das zu tragende Risiko, erhält der Gläubiger eine Verzinsung. Diese ist im Moment bei Sparguthaben sehr gering und dürfte die tatsächliche „Risikorealität“ einiger Banken und der installierten Sicherungssysteme nicht entsprechend wiedergeben. Die Jagd nach „Zins-Prozenten“ quer durch Europa kann Schmerzen verursachen. Fragen Sie nach, z.B. bei ehemaligen Sparern der zahlungsunfähigen isländischen Kaupthing Bank.

 

Zweitens: Die Einlagensicherung in Deutschland scheint nur auf den ersten Blick sehr komfortabel. Für die Pleite einer Bank in privater Rechtsform müsste an erster Stelle die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EdB) einspringen. Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben ähnliche Sicherungseinrichtungen. In den zurückliegenden 30 Jahren musste der Einlagensicherungsfonds privater Banken durchschnittlich einmal pro Jahr einspringen. Alle Kunden seien zu 100 % entschädigt worden, so der Bankenverband. Doch sind Ihnen die Fälle bekannt? Wohl eher nicht. Es handelte sich also um kleine Institute, die der Fonds leicht stemmen konnte. Doch was ist, wenn mal eine größere Adresse ausfällt? Als warnendes Beispiel sei hier die EdW, das Pendant zur EdB für die Forderungen aus Wertpapiergeschäften von Privatanlegern, genannt. Diese gesetzliche Entschädigungseinrichtung kam gleich mit dem ersten größeren Pleitefall, der Phoenix Kapitaldienst GmbH im Jahr 2005, in Bedrängnis und konnte die geschädigten Anleger bis heute nicht alle entschädigen.

 

Und wussten Sie, dass Sie im Fall einer Bankpleite KEINEN Rechtsanspruch auf Leistungen aus dem freiwilligen Einlagensicherungsfonds der privaten Banken haben? Das ist tatsächlich so und bringt mich zum dritten Punkt.

 

Drittens: Wenn schon kein Rechtsanspruch auf Entschädigung, dann sollte doch aber das Wort unserer Kanzlerin vom Oktober 2008 gelten: „Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind.“ Vertrauen würde ich auf diese schwammigen Formulierungen nicht. Denn in der Auslegung von Aussagen sind Politiker spitze. Ein Beispiel: Der Sprecher des Finanzministeriums, Martin Kotthaus, ist beispielsweise der Ansicht, dass die gesetzliche Einlagensicherung nur dann greift, wenn eine Bank insolvent geht. Das heißt im Umkehrschluss, jeder Sparer, dessen Bank vor einer Pleite gerettet wird, zur Not mit seinen Einlagen, hat dann Pech gehabt. Keine guten Voraussetzungen für eine Einlage bei systemrelevanten Banken. Nach deutscher Rechtslage wäre ein Eingriff in Sparvermögen unter 100.000 Euro zur Sanierung und Reorganisation von Banken jedoch ausgeschlossen (vgl. § 12 Abs. 2 KredReorgG). Hoffen wir mal, dass das im Ernstfall auch gilt.

 

Entgehen können Sie diesem Irrsinn mit Ihren Sparguthaben nicht, sofern Sie diese nicht unter Ihrem Kopfkissen horten. Dabei wäre das Geld dort aber wahrscheinlich in den vergangenen 60 Jahren niemals sicherer gelegen als jetzt. Doch was für die Aktienanlage gilt, gilt auch für die Spareinlagen. Diversifizieren Sie und verteilen Sie Ihr Sparvermögen auf mehrere Banken.

Harald Rotter, Chefredakteur AnlegerPlus
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