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AnlegerPlus Online, 18. Oktober 2011
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Steuerliche Änderungen bei Lebensversicherungen und geförderter Altersvorsorge

Wer ab dem 1.1.2012 eine Lebensversicherung oder einen staatlich geförderten Rentenvertrag (Riester- und Rürup-Rente) abschließen möchte, muss darauf achten, dass für den Auszahlungsbeginn das richtige Lebensjahr eingetragen wird. Denn nur wenn die Auszahlung frühestens zum 62. Lebensjahr erfolgt, gibt es die staatliche Förderung und Steuervorteile. Für Verträge, die noch 2011 abgeschlossen werden, ist dies noch für das 60. Lebensjahr möglich.

 

Im Zuge der schrittweisen Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters auf 67 Jahre ergeben sich auch für staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte und Lebensversicherungen ab 1.1.2012 wichtige Änderungen, darauf weist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) in einer aktuellen Meldung hin. Und zwar ist die staatliche Förderung über Zulagen und Steuerbegünstigungen abhängig vom Lebensjahr, in dem der Renten- oder Lebensversicherungsvertrag ausbezahlt wird. Bisher kommt in den Genuss, wer in derartigen Verträgen als Mindestalter für die Auszahlung frühestens das 60. Lebensjahr eingetragen hat. Für Altverträge bleibt es auch dabei. Wer allerdings nach dem 1.1.2012 einen Riester-, Basisrenten- (= Rürup-Rente) oder Lebensversicherungsvertrag abschließt, sollte darauf achten, dass dort frühestens das 62. Lebensjahr als Auszahlungstermin eingetragen wird, wenn er die staatliche Förderung sicherstellen will.

 

Wer seine Rentenplanung möglichst mit großem Spielraum gestalten will, dem werden mit diesem Schritt nun engere Grenzen für die Altersvorsorge gesetzt. Dazu kommt, dass für Lebensversicherungen die Garantieverzinsung ab dem 1.1.2012 auf dann nur noch 1,75 % sinkt. Plant man also seine Altersvorsorge über eine der drei oben genannten Produktvarianten, könnte sich ein Abschluss der entsprechenden Verträge noch in diesem Jahr lohnen. Der Versicherungsexperte der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. Erik Altmann rät deshalb: „Wer seinen Rentenbeginn möglichst flexibel selbst bestimmen möchte und bis jetzt noch nicht ausreichend vorgesorgt hat, der sollte über einen Vertragsabschluss bis Ende 2011 nachdenken. Man sichert sich damit dauerhaft eine höhere Flexibilität zum Rentenbeginn und auch noch die höhere Garantieverzinsung für die gesamte Vertragslaufzeit.“ Wer in einen Basisrentenvertrag einzahlt, muss dabei aber auch berücksichtigen, dass sich der Sonderausgabenabzug 2012 von 72 % auf 74 % des maximal geförderten Beitrags erhöht, siehe unten.

 

Für die geförderte Altersvorsorge und die Lebensversicherung ergeben sich konkret folgende Änderungen ab dem 1.1.2012:

 

Riester-Rente

Die staatliche Förderung in Form von Zulagen ist für Verträge, die nach dem 1.1.2012 abgeschlossen werden, nur dann sichergestellt, wenn als möglicher Auszahlungsbeginn der Riester-Rente frühestens das 62. Lebensjahr vorgesehen ist.

 

Rürup- oder auch Basisrente

Bei der Basisrente können die Altersvorsorgebeiträge durch einen Sonderausgabenabzug steuerlich gefördert werden. Für Altverträge, die vor dem 1.1.2012 abgeschlossen wurden oder noch werden, ist Voraussetzung für den Sonderausgabenabzug, dass die Basisrente frühestens mit Vollendung des 60. Lebensjahres ausbezahlt wird. Für Verträge, die nach dem 1.1.2012 abgeschossen werden, hängt der Sonderausgabenabzug künftig an einer Auszahlung des Vertrags nicht vor Vollendung des 62. Lebensjahres.

Der maximal geförderte Beitrag in die Basisrente für Alleinstehende beträgt 20.000 Euro, für Verheiratete 40.000 Euro. Der Sonderausgabenabzug beträgt 74 % (2011 72 %) der geförderten Beiträge und somit für Alleinstehende maximal 14.800 Euro, für Verheiratete 29.600 Euro. Die so ermittelten Beträge können beim Einkommensteuerausgleich vom zu versteuernden Einkommen als Sonderausgaben für die Altersvorsorge abgezogen werden. Bis zum Jahr 2025 steigt der Abzugssatz jährlich um 2 % auf 100 % im Jahr 2025 an.

 

Private Lebensversicherung

Auch bei der privaten Lebensversicherung gibt es steuerliche Vorteile. Und zwar werden die Erträge bei nach dem 1.1.2012 abgeschlossenen Verträgen nur zur Hälfte besteuert, wenn die Versicherungsleistung nach Vollendung des 62. Lebensjahres und nach Ablauf von zwölf Jahren seit Vertragsabschluss ausgezahlt wird. Wer einen solchen Vertrag noch vor dem 1.1.2012 abschließt, für den ist die Vollendung des 60. Lebensjahres maßgeblich für den Steuervorteil.

Stephanie Wente, Redaktion AnlegerPlus
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