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AnlegerPlus Online, 6. Juli 2012
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Riskante Anlage

Eine Studie des Wirtschaftsmagazins Capital weckt laut Bericht der Financial Times Deutschland Zweifel am Geschäftsmodell des Windenergie-Spezialisten Prokon. Laut Capital ergeben sich die guten Geschäftszahlen vor allem durch konzerninterne Geschäfte und außerordentliche Erträge.

Laut Recherchen des Wirtschaftsmagazins Capital bestehen Zweifel an der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells des Ökoenergie-Anbieters Prokon, wie die Financial Times Deutschland (FTD) berichtet. Ein von Capital in Auftrag gegebenes Bilanzgutachten des Instituts für Wirtschaftsprüfung der Universität des Saarlandes kommt zu dem Schluss, dass Bedenken daran bestünden „dass es sich bei der Prokon um ein seriöses Unternehmen handelt.“ Ausführlich besprochen wird das Gutachten zum Geschäftsbericht 2010 der Prokon-Gruppe in Capital Heft 07/2012 (erschienen am 21.6.2012).

Das Unternehmen und sein Anlagemodell
Das Kerngeschäft des Ökoenergie-Anbieters Prokon besteht aus Windenergie. Eigenen Angaben zufolge betreibt das Unternehmen 38 Windparks mit insgesamt 266 Windrädern. Des Weiteren hat es sich bei einem Hersteller von Sprit aus Rapsöl eingekauft und versucht sich im Geschäftsfeld Biomasse. Teilhaben können Investoren an Prokon über Genussrechte. Hierfür zeichnen sie Genussrechte einer Prokon-Gesellschaft (sog. Genussrechtsgesellschaft), die wiederum Kredite an andere Firmen der Prokon-Gruppe vergibt. Dafür werden 9-15 % Zinsen berechnet, wovon derzeit 8 % an die Inhaber der Genussrechte weitergegeben werden. Die Genussrechte haben eine Laufzeit von drei Jahren und können danach an die Gesellschaft zurückverkauft werden – sofern diese die nötige Liquidität aufweist, um die Investoren auszulösen. Was viele Genussrechte-Inhaber möglicherweise nicht bedenken: Sie sind nicht nur an den Gewinnen des Unternehmens beteiligt, sondern auch an den Verlusten. Im Verlustfall  kann es dann passieren, dass die Anleger nicht nur die Verzinsung sondern auch Teile des eingesetzten Kapitals verlieren. Seit 2003 werden die Genussrechte gehandelt und Prokon hat darüber insgesamt bei knapp 50.000 Investoren mehr als 860 Mio. Euro eingesammelt, wie die FTD berichtet.

Die Zahlen
Auf den ersten Blick sehen die Geschäftszahlen des Unternehmens gut aus: 2010 wiesen die Prokon-Firmen laut FTD ein operatives Betriebsergebnis von 66,6 Mio. Euro auf, für 2011 sollen es 83,1 Mio. Euro sein. Auch die Zinszahlungen an die Investoren erfolgten bislang pünktlich – obwohl laut FTD und Capital-Gutachten der Betrieb von Windrädern und die Herstellung von Biokraftstoff nicht mal annähernd die Summen dafür einbringt. Für das Kerngeschäft Windenergie wurde für das Geschäftsjahr 2010 zum Beispiel ein Überschuss von 54 Mio. Euro ausgewiesen. Vor außerordentlichen Posten lag dieser angeblich aber gerade mal bei 1,8 Mio. Euro, wie die FTD mitteilt. Trotzdem wurden davon 37 Mio. Euro für die Genussrechtsgesellschaft fällig, damit die Investoren ihre Zinsen ausbezahlt bekommen konnten. Auch langfristig betrachtet ergibt sich kein anderes Bild, wie die FTD ausführt. Von August 1999 bis Ende 2010 betrug das kumulierte Gesamtergebnis der Windparks 74,8 Mio. Euro. An außerordentlichen Posten sind davon Zinsen an andere Prokon-Unternehmen sowie Ausschüttungen an frühere Windparkeigentümer abzuziehen – es bleibt ein Gewinn von 22,8 Mio. Euro übrig. In dem Zeitraum wurden an die Genussrechtsgesellschaft 61,3 Mio. Euro gezahlt. Die Zahlen zeigen, dass Prokon nur mit Hilfe der außerordentlichen Erträge in der Lage scheint, die Zinsen an die Investoren zu zahlen.

Das Gutachten
Zu diesem Schluss kommt auch Prof. Dr. Michael Olbrich in dem Gutachten zum Geschäftsbericht 2010 der Prokon-Gruppe. Laut FTD hege er Zweifel, dass es sich bei der Prokon um ein seriöses Unternehmen handelt: „Unseres Erachtens gelingt es der Prokon nicht nachzuweisen, dass die Verzinsung des Genussrechtskapitals in Höhe von derzeit 8 % operativ erwirtschaftet wird.“ Prokon hält laut FTD in einer schriftlichen Stellungnahme entgegen, dass unter dem Begriff operativ nicht nur die reinen Erträge aus dem Stromverkauf verstanden werden dürften. Das Unternehmen bezieht auch die hausinternen Geschäfte mit in das operative Ergebnis ein. Ein Beispiel: Prokon Wind lässt die Schwesterfirma Prokon Energiesysteme Windräder bauen, die intern dann an Prokon Wind veräußert werden. Aber anstatt es mit den reinen Herstellungskosten zu bilanzieren, wird es in der Unternehmensbilanz gewinnwirksam zu einem höheren Wert aktiviert.
Würde die Prokon-Gruppe neben den Einzelabschlüssen auch eine Konzernbilanz erstellen, dürften dort die Gewinne aus internen Geschäften gerade nicht ausgewiesen werden.  Prokon hält laut FTD dagegen, dass nach Rücksprache mit dem Wirtschaftsprüfer noch keine Konsolidierungspflicht bestehe. Sollte diese allerdings zukünftig im Handelsgesetzbuch vorgeschrieben werden, würde Prokon dem aber nachkommen.

Fazit
In der Praxis erstellen Unternehmensgruppen wie Prokon dennoch üblicherweise einen Konzernabschluss, in dem konzerninterne Gewinne nicht ausgewiesen werden. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. (SdK) ist, ebenso wie Prof. Dr. Olbrich, nicht glücklich über die herrschende Struktur bei Prokon. Denn „wenn es sich bei dem Ökoenergie-Anbieter tatsächlich so verhält, wie das Gutachten des Prof. Dr. Olbrich darlegt, muss letztendlich die Frage gestellt werden, woher das Geld für die Zinszahlungen an die Investoren stammt. Prokon sollte daher aus Transparenzgründen dringend auch einen Konzernabschluss erstellen“, so Daniel Bauer, Vorstand der SdK.

Stephanie Wente, Redaktion AnlegerPlus
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