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AnlegerPlus Online, 10. Dezember 2014
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Profitabilität steigt weiter

Die Bayer AG (ISIN DE000BAY0017) bringt derzeit die größte Marktkapitalisierung aller DAX-Werte auf die Waage. Die Aktionäre freuen sich über eine überdurchschnittliche Kursentwicklung im Jahr 2014 und sehr gute Zukunftschancen durch selbst entwickelte Blockbuster und sinnvolle Übernahmen. So lassen sich mit einem Investment in die Bayer-Aktie zwei Anlagestrategien – Value und Growth –  gleichzeitig umsetzen.


Der Pharmamarkt war wegen auslaufender Patente und sinkender Gewinnmargen auch 2014 weiter von Akquisitions- und Tauschvorgängen geprägt. Dabei standen vor allem Wachstums- und Kostenüberlegungen im Vordergrund. Die „Übernehmer“ wollten ihre Marktposition ausbauen, im immer wichtigeren Generika-Segment punkten oder durch Kooperationen Forschungs- und Entwicklungskosten senken. In Ausnahmefällen erfolgte eine Übernahme europäischer Unternehmen durch US-amerikanische schlicht, um durch die Verlagerung des Firmensitzes Steuern zu sparen.

Übernahmen im Pharmabereich 2014

Auch die Bayer AG hatte bei ihren Transaktionen in den letzten 10 Jahren (Übernahmen im Wert von 36 Mrd. Euro und Verkäufe in Höhe von 11 Mrd. Euro) den Ausbau der Marktposition, u. a. im Bereich der Generika im Blick. Nach der Mega-Übernahme von Schering im Jahr 2006 für ca. 17 Mrd. Euro wurde 2014 der Consumer-Bereich des US-amerikanischen Pharma-Unternehmens Merck&Co, nicht zu verwechseln mit der deutschen Merck KGaA, für 14 Mrd. Euro übernommen.

 Auch bei Novartis (ISIN CH0012005267) ist deutlich die strategische Weichenstellung zu erkennen. Der Konzern veräußerte das vergleichsweise unprofitable Segment Impfstoffe an GlaxoSmithKline (GSK, ISIN GB0009252882) für 5,3 Mrd. Euro. Dafür verstärkten sich die Schweizer im Bereich Krebsmittel durch eine Übernahme aus dem Portefeuille von GSK für 12 Mrd. Euro, dem weltweit umsatzstärksten Pharmazweig. Mit GSK wurde außerdem im Consumer-Health-Bereich eine Kooperation eingegangen, die beiden Unternehmen durch Asset Swaps Nutzen bringen soll. Das Ziel der Tauschgeschäfte: die weltweite Marktführerschaft vor Bayer. Doch nicht alle Übernahmeversuche waren 2014 erfolgreich. Pfizer versuchte sich erfolglos an der Übernahme des Rivalen AstraZeneca, 109 Mrd. US-Dollar waren dem Management offensichtlich zu wenig, was nicht jedem AstraZeneca-Aktionär geschmeckt haben soll.

Nach mehreren missglückten Übernahmeversuchen wähnte sich Abbvie mit seiner Übernahmeofferte an die  britische Shire für 54 Mrd. US-Dollar im Juli endlich am Ziel, das wesentlich von steuerlichen Gründen geprägt war. Doch der eigene Verwaltungsrat untersagte die Übernahme, nachdem in den USA Kritik an den „Steuerfluchtplänen“ der Unternehmen aufkam. Die Absage der Übernahme kostete Abbvie eine Stange Geld. Als Entschädigung mussten 1,3 Mrd. Euro an die Briten gezahlt werden.

MaterialScience for sale
Und was hat sich bei Bayer im Verlauf des Jahres ereignet? Bayer bestand bis September 2014 noch aus den drei Teilkonzernen HealthCare, CropScience und MaterialScience. HealthCare und CropScience weisen ähnliche EBIT-Margen aus, MaterialScience fällt diesbezüglich dagegen seit Jahren ab und soll nun verkauft oder bis Mitte 2016 aus dem Konzern ausgegliedert werden. Weil für Investitionen in eigene Forschung und Entwicklung, Kooperationen und Übernahmen in den beiden erstgenannten Segmenten viel Geld erforderlich ist, ist die beabsichtigte Trennung nachvollziehbar.
 
Die Anlegerschützer der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V., die die Überprüfung der Material-Science-Sparte seit 2011 gefordert hatten, begrüßen die beabsichtigte Trennung. Nach einem möglichen Verkauf oder einer Ausgliederung würden dem Konzern wieder zusätzliche Mittel zur Expansion bzw. zur Schuldentilgung in den verbleibenden Geschäftsfeldern zur Verfügung stehen. Am 28.4.2014 berichtete das Handelsblatt, dass Bayer bereit wäre, MaterialScience für 8 Mrd. Euro an Evonik zu verkaufen. Evonik zeigt sich bis dato aber ablehnend. Bayer-Chef Marijn Dekkers ließ in einem Interview in der Rheinischen Post am 30.11.2014 durchblicken, dass er sich inzwischen sogar einen Verkaufspreis von mehr als 10 Mrd. Euro gut vorstellen könne.

Bei einer Ausgliederung  vom Mutterkonzern würde Bayer von Schulden in Höhe von 2,5 Mrd. Euro (Stand Ende 2013) entlastet, Bayer-Aktionären würden ähnlich wie beim LANXESS-Spin-off neue Aktien ins Depot gelegt.

Die Segmente HealthCare und CropScience
Die Bereiche HealthCare und CropScience sollen zukünftig unter den Stichworten Mensch, Pflanze und Tier gemeinsam Forschung und Entwicklung im Bereich Life Science betreiben. Die Basis dafür ist die Analyse der DNS, die allen Lebewesen gemein ist. Hier ist ein Trend weg von mehr oder weniger künstlichen und (manchmal zufälligen) Chemiemolekülen hin zu komplexen DNS-Strukturen, Biologicals, festzustellen.

Entscheidend für den Markterfolg und die Profitabilität eines Unternehmens im Life Science Bereich ist der Anteil der Blockbuster-Umsätze  am Gesamtumsatz, also der Einzelmedikamente mit einem Umsatz von über 1 Mrd. Euro pro Jahr. Sie sollten am besten 60 % übersteigen (Top 10 der Branche), bei Bayer ist dieser Wert mit zurzeit nur 36 % ausbaufähig.

Der Pharmabereich bei Bayer leidet derzeit umsatzmäßig unter dem Rückgang der Klassiker wie Aspirin, Betaferon und Yasmin/Yaz. Xarelto und Eylea sind aber schon im Jahr 2014 Blockbuster, Nexavar, Xofigo und Stivagra sind mögliche Blockbuster-Kandidaten. Immerhin gibt es 25 neue Medikamente, die seit 2010 die klinische Phase III überwunden haben, für 2015 sind 5 weitere Phase-III-Produkte geplant. Die Entwicklungs-Pipeline ist also gut gefüllt.

Darüber hinaus wurden in den Jahren 2012 und 2013 die Firmen Steigerwald (naturbelassene Medizin gegen Magen- und Darmkrankheiten), Conceptus (Verhütungsmittel, USA), Algeto (Xofigo gegen Prostata-Krebs-Metastasen im Knochenmark) und Dihon (China, chinesische Medizin) übernommen.

Still und heimlich zur Nummer 2 im Bereich Generika
Auch mit Arzneimitteln, bei denen die Patentfristen ausgelaufen sind, kann man gut Geld verdienen. Wenn sie als Marken gut eingeführt sind, spart man die horrenden Forschungs- und Entwicklungskosten. Ein Teil dieser Ersparnis nivelliert sich jedoch durch die wettbewerbsbedingt hohen Rabatte wieder. Zusätzlich entfallen bei Generika aber Risiken aus unerkannten Nebenwirkungen, da die Medikamente meist schon über zehn Jahre am Markt getestet sind. Bayer hat für die Generikasparte der US-amerikanischen Merck & Co. ca. 14 Mrd. Euro gezahlt. Im Bereich Generika ist Bayer dadurch still und leise zur Nummer 2 weltweit aufgestiegen.

Bayer ist damit mit seiner Doppelstrategie von Eigenentwicklungen, z. T. in Kooperationen mit anderen Konzernen erzielt, und Übernahmen im HealthCare Bereich sehr erfolgreich. Auch das CropScience Segment hat sich mit über 30 Markteinführungen seit 2010 gut entwickelt, Platz 2 im Weltmarkt beim Pflanzenschutz (Fungiziden, Herbiziden und Insektiziden) und der Saatentwicklung. Umsatz und Rendite steigen, insbesondere durch einen hohen Anteil neuer Produkte, die über 80 % des Umsatz-Wachstums auf sich vereinigen können.

Aktie bereits gut gelaufen
Die Bayer-Aktie im Jahr 2014 mit einem Plus von über 12 % gut gelaufen, in jedem Fall besser als der DAX selbst. Doch Kurspotenzial besteht weiterhin. Denn durch den Verkauf von MaterialScience wird sich der Konzern zu einem reinrassigen Blue Chip im Bereich Life Science entwickeln, mit einem möglichen EBIT-Zuwachs um ca. 1 - 1,5 Mrd. Euro. Bayer ist und bleibt damit für langfristig orientierte Anleger ein Basisinvestment mit akzeptabler Dividende und Potenzial für Wertsteigerungen. Rückschläge des derzeit doch recht hohen Kurses können für Käufe genutzt werden.

Joachim Kregel, Redaktion AnlegerPlus
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