Aus dem Verlag.

Kommentar, 9. April 2013
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Neue Medien stark im Kommen

Die Bombe platzte Anfang letzter Woche.

 

Nachdem in der Vergangenheit noch viele Manager von US-Unternehmen heftig dafür gerügt wurden, relevante Informationen über Twitter, Facebook oder LinkedIn bekannt gegeben zu haben, gestattet die US-Wertpapieraufsicht SEC US-Konzernen künftig, kursrelevante Informationen über gerade diese sozialen Onlinemedien mitzuteilen. Die Firmen müssen ihren Anlegern vor der ersten Mitteilung lediglich ankündigen, auf welchen Kanälen sie die Informationen künftig verbreiten wollen. Damit geht die Securities and Exchange Commission (SEC) davon aus, dass es heute praktisch jedem Investor möglich ist, Informationen über die genannten Nachrichtenkanäle zu erhalten.

Auslöser Netflix
Auslöser für die jetzt getroffene SEC-Entscheidung dürfte der „Fall Netflix“ sein. Im vergangenen Juli äußerte sich Netflix-CEO Hastings über Facebook und verkündete, dass die Abonnenten des Videodienstes erstmals mehr als eine Milliarde Stunden Video im Monat gesehen hätten. Die Netflix-Aktie stieg daraufhin an. Investoren beschwerten sich darüber, dass der CEO mit seiner Äußerung Offenlegungspflichten verletzt habe. Im Dezember nahm die SEC eine Untersuchung auf. Hastings rechtfertigt sich damit, dass sein Facebook-Auftritt von mehr als 200.000 Nutzern gelesen werde und damit eine ausreichende Öffentlichkeit hergestellt sei. Zudem sei erst wenige Wochen zuvor mitgeteilt worden, dass Netflix-Abonnenten monatlich „bereits nahezu eine Milliarde Stunden“ Video konsumieren. Das Überschreiten der Schwelle sei daher keineswegs überraschend gewesen.

Investoren müssen Bescheid wissen
Die jetzt gefällte Entscheidung der SEC bedeutet in der Praxis, dass US-Konzerne künftig auf ihrer Investor-Relations-Seite im Internet veröffentlichen müssen, über welche Kanäle relevante Informationen weitergegeben werden. Die ohne Vorwarnung erfolgte Veröffentlichung relevanter Informationen über das soziale Netzwerk Facebook wäre damit noch immer ein Verstoß gegen die SEC-Regeln. Mit der Öffnung für soziale Onlinemedien teilte die SEC nun auch mit, dass der Fall des Netflix-Gründers nicht weiter verfolgt werde.

Probleme vorprogrammiert
Auch wenn die SEC mit der Entscheidung ein neues Kapitel der Transparenzregeln aufschlägt, sind doch einige kommende Probleme absehbar. So gibt es noch viele offene Fragen zum Thema Datenschutz und Datensicherheit in sozialen Netzwerken. Zudem darf nicht übersehen werden, dass es zwangsläufig zu Streuverlusten führen wird, wenn sehr viele unterschiedliche Kanäle zur Verbreitung von kursrelevanten Informationen zur Auswahl stehen. Damit wird die gewünschte Transparenz am Kapitalmarkt ad absurdum geführt.

Deutschland außen vor
Gott sei Dank ist Deutschland von derartigen Regeln (noch) nicht betroffen. Die SdK wird sich im Interesse der Aktionäre deutscher Gesellschaften dafür einsetzen, dass es zu keinen unüberlegten Gesetzesänderungen in Bezug auf die Ad-hoc-Publizität kommt. Darauf können Sie sich verlassen!

Daniel Bauer, Geschäftsführer der Kapital Medien GmbH
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