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AnlegerPlus Online, 30. September 2014
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Mit Rabatt zur Rendite

Discountzertifikate können sich in unruhigen Marktphasen oder Marktphasen mit langen Seitwärtsbewegungen für Anleger auszahlen. Und da jede Chance auch Risiken mit sich bringt, sollten Anleger über die Funktionsweise dieser Anlageklasse informiert sein.

So funktionieren Discountzertifikate: Anleger erwerben über das Zertifikat das Anrecht auf eine Aktie oder ein Indexpapier (=Basiswert) zu einem Preis, der unter dem aktuellen Kurs der Aktie oder des Indexpapiers liegt. Dieser Abschlag vom aktuellen Kurs, auch Discount genannt, kann z. B. bei 5, 10 oder sogar 15 % liegen. Gleichzeitig legt das Discountzertifikat aber einen maximal möglichen Rückzahlungsbetrag am Ende der Laufzeit fest, den sogenannte „Cap“. Liegt der Kurs des Basiswertes am Ende der Laufzeit über dem Cap erhält der Anleger den festgelegten Rückzahlungsbetrag. Liegt der Kurs darunter, erhält der Anleger den Kurswert oder den Basiswert direkt ausbezahlt. Die Laufzeiten sind unterschiedlich ausgestaltet.

Aus der Konstruktion wird sofort ersichtlich, dass die Gewinne des Anlegers durch den Cap nach oben begrenzt sind. Als Ausgleich hierfür erhält der Anleger den Discount. Und der sichert ihn vor Kursverlusten ab, die er im Fall sinkender Kurse erleiden würde, hätte er statt des Zertifikats den Basiswert direkt erworben. Einen Gewinn erzielt der Anleger auch, wenn der Basiswert sich, ausgehend vom Cap, bis zum Laufzeitende seitwärts bewegt. Denn hätte er den Basiswert erworben, hätte er damit keine Kursgewinne erzielt. Beim Erwerb des Discounters dagegen steckt er sich den Discount als Gewinn in die eigene Tasche.

Verluste erleidet der Anleger eines Discountzertifikates nur dann, wenn der Kurs des Basiswertes unter den Kaufkurs des Discountzertifikates fällt. Und damit ist schnell ersichtlich, dass Discounter ihre Vorteile vor allem in leicht fallenden oder seitwärts tendierenden Märkten ausspielen. Ein vereinfachtes Rechenbeispiel kann dies verdeutlichen:


Der Kurs der Aktie X liegt bei 100 Euro. Über ein Discountzertifikat Y kann das Anrecht auf die Aktie mit einem Discount von 15 % für 85 Euro erworben werden. Nur wenn der Kurs der Aktie X am Ende der Laufzeit niedriger liegt als 85 Euro, also dem Einstandswert für das Discountzertifikat Y, ist der Anleger mit seinem Zertifikatinvestment im Minus.

Der Gewinn aus einem Discountzertifikat errechnet sich über die Formel:
[(Rückzahlungswert – Kaufpreis) / Kaufpreis]x 100. Wobei, wir erinnern uns, der maximale Rückzahlungswert durch den Cap vorgegeben ist und somit auch der maximal mögliche Gewinn.



Die Nachteile der Discounter
Doch auch eine vermeintliche Absicherung mit Discountzertifikaten hat ihre Tücken. Der Discount wird nicht nur durch den Cap erkauft. Im Vergleich zu einem Direktinvestment in den Basiswert verzichtet der Käufer eines Discountzertifikates auch auf Dividenden und das Stimmrecht auf Hauptversammlungen. Die ausbleibende Dividendenzahlung muss vom Anleger in seine Renditeüberlegungen in jedem Fall eingerechnet werden.
Zu beachten ist außerdem, gerade in Zeiten wie diesen, in denen die emittierenden Banken auf unsicheren Füßen stehen, das Emittentenrisiko. Geht die Bank, die das Discountzertifikat ausgegeben hat, pleite, ist das investierte Geld in aller Regel weg. Exemplarisch hierfür sei die Lehman-Pleite aus dem Jahr 2008 angeführt. Und natürlich trägt der Anleger in ein Discountzertifikat auch das Insolvenzrisiko des Basiswertes und das allgemeine Marktrisiko.

Wie erfolgreich sind Discounter?

Der Deutsche Derivateverband (DDV) veröffentlichte im März 2014 eine Studie zum Thema Discount-Zertifikate. Untersucht wurden mehr als 85.000 Zertifikate, die von der Deutschen Bank emittiert wurden, verglichen wurde die Rendite des Zertifikats mit der Rendite des Basiswerts. Im Beobachtungszeitraum, der von November 1999 bis Dezember 2013 reichte, stellten die Studienautoren fest, dass 63,1 % aller Discounter eine höhere Rendite als eine jeweils zeitgleich erfolgte Direktinvestition in den Basiswert erzielte. Sogar 74,9 % aller untersuchten Zertifikate endeten unter dem Strich mit einem Plus für den Käufer, das erreichten nur 55,2 % der Investitionen in den Basiswert. Allerdings sollte man dabei nicht unberücksichtigt lassen, dass ein Basiswert vermutlich vom Anleger nicht mit einer (virtuellen) Endfälligkeit gekauft worden wäre, und somit die Studie nur bedingt aussagekräftig ist.

Fazit
Ein Großteil aller Anlagezertifikate sind Discounter, das Angebot ist also vielfältig. So gut wie alle größeren Banken bieten Discountzertifikate an. Und Discountzertifikate sind auch Anlegers Liebling. Zu keinem anderen Zertifikat greifen Anleger im Moment lieber. Und das ist auch gut so. Innerhalb des breiten Zertifikatangebots erachten wir diesen Zertifikate-Typ nämlich als sinnvollste Alternative für Anleger.

Käufer von Discountern sollten sich allerdings nicht in allzu großer Sicherheit wiegen, auch wenn ein gewisser Verlust kompensiert werden kann. Wie bei allen Zertifikaten bestehen Risiken, die beim Direktinvestment in eine Aktie nicht bestehen. Für Anleger, die sich noch unsicher auf dem Börsenparkett bewegen, sollten Zertifikate im Allgemeinen noch kein Thema sein. Für erfahrenere Börsianer, die auf einen Seitwärtstrend oder nur leicht steigende Kurse spekulieren, können Discountzertifikate jedoch eine gute Anlagealternative sein.

Carolyn Friesl, Redaktion AnlegerPlus
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