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Kommentar, 14. Oktober 2014
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„Jede Krise bereinigt sich selbst“

Die Österreichische Schule der Nationalökonomie ist eine liberale Lehrmeinung in der Volkswirtschaftslehre. Einer ihrer wichtigsten Vertreter, der Ökonom Ludwig von Mises (1881 – 1973), prägte deren Konjunkturtheorie: Durch ein künstlich gesenktes Zinsniveau gelangt über die Kreditschöpfung zu viel Geld in die Wirtschaft. Daraus entwickelt sich ein künstlicher, ungesunder Boom. Die Kredite fließen in eigentlich unrentable Investitionen und der Konsum (kreditfinanziert) zieht an. Irgendwann überhitzt der Boom, die Zinsen steigen, die Blase platzt, die unrentablen Projekte scheitern, die Nachfrage sinkt, die Preise fallen, die Wirtschaft stürzt in die Rezession.

Erinnern wir uns, Ausgangspunkt der Finanzkrise 1.0 (die Subprimekrise) waren geplatzte Immobilienkredite in den USA, die – verbrieft – in den Bilanzen der Banken weltweit Untergangsszenarien heraufbeschworen. Auslöser der Misere waren die künstlich abgesenkten Zinsen in den USA, die auch Haushalte mit geringer Bonität dazu verleiteten, Immobilien auf Kredit zu erwerben. Die große Nachfrage trieb die Immobilienpreise in die Höhe, der Markt überhitzte. Als dann ab Mitte 2004 die Zinsen bis Herbst 2007 wieder stiegen, Platze die Blase und riss nicht nur die USA, sondern u. a. auch Europa in die Rezession.

Ein Musterbeispiel also für die Konjunkturtheorie der „Österreicher“. Und man könnte meinen, aus Schaden wird man klug. Aber weit gefehlt. Die Zentralbanken, getrieben von politischer Unvernunft, bekämpften die Krise mit denselben Mitteln, die sie ursprünglich auslösten, nämlich mit künstlich abgesenkten Zinsen und einer Kreditschöpfungsorgie. Dies wiederum verleitete die Staaten dazu, ihre Verschuldung auf neue Rekordmarken zu erhöhen.
Und wer finanziert den Schuldenwahnsinn der Staaten? Perverserweise die Banken, die eben noch von den Staaten durch Schuldenaufnahme gerettet wurden. Getrieben vom geplanten Basel-III-Regelwerk stürzen sich diese nun verstärkt auf Staatsanleihen. Die Kredite hierfür bekommen sie zum Nulltarif von der Zentralbank. Als Sicherheiten werden die Staatsanleihen hochverschuldeter Staaten hinterlegt, die zuvor auf Kredit gekauft wurden: Geldschöpfung par excellence.

Doch wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe. „Jede Krise bereinigt sich selbst“ stellte der deutsche Ökonom Wilhelm Röpke fest. Vermutlich auch diese künstlich verlängerte. Angesichts der durch Rettungsschirme und geplante Bankenunion eingeführten kollektivistischen Haftung und der Fiskalunion bereinigen die „gesunden Patienten“ erst mal die Krisen der anderen Länder, bevor sie selbst zum ungesunden Krisenfall werden. Wann die große Bereinigung beginnt, ist schwer vorherzusehen? Es kann aber in keinem Fall schaden, zur Portfolioabsicherung gegen die monetäre Orgie schon jetzt Gold- und Silberinvestments (in physischer Form) zu tätigen. Worauf dabei zu achten ist, erfahren Sie im Rahmen unseres Fokusbeitrags „Gold –Vermögensschutz und Krisenwährung“ in der aktuellen AnlegerPlus 9/2014.

Harald Rotter, Chefredakteur AnlegerPlus
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