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Kommentar, 7. März 2014
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Gold macht Sinn

Ob der hohen Staatsverschuldung kreist der Pleitegeier über vielen Industrienationen. Das Maastricht-Kriterium, das die Gesamt¬verschuldung eines Staates von maximal 60 % des Brutto-inlandsprodukts (BIP) festlegt, ist schon längst Makulatur. In Deutschland liegt die Staatsverschuldung offiziell bei ca. 80 % des BIP, Tendenz trotz sprudelnder Steuereinnahmen steigend. Eine Rückzahlung der Schulden ist illusorisch. Und so wird inzwischen laut darüber nachgedacht, wie der Schuldenberge schnell Herr zu werden ist.

Griechenland hat ein Mittel bereits durchexerziert, den Schuldenschnitt. Ein weiteres Mittel ist der reale Schuldenabbau durch negative Realzinsen, also einem Zinsniveau unterhalb der Inflationsrate. Der Prozess ist allerdings langwierig und der Regulationsprozess aufwendig. Geeignet sind auch Vermögensabgaben oder anders genannt, Enteignungen. Zypern lieferte hierfür im März 2013 die Blaupause. Im Oktober 2013 hat der IWF dann vorgerechnet, dass sich durch eine zehnprozentige Vermögensabgabe auf Haushalte mit positiven Netto-Vermögen die Staatsschulden einiger Länder auf das Niveau von 2007 drücken ließen. Eine solche Enteignung hätte laut IWF den Vorteil, dass man diese ohne Vorankündigung praktisch bei Nacht und Nebel durchführen könnte und damit Strategien zur Vermeidung der Abgaben unmöglich würden. Und die Bundesbank forderte zuletzt ebenfalls eine Vermögensabgabe, um Staatsinsolvenzen oder Bail-outs zu vermeiden.

In den Medien ist seither von einer Reichensteuer die Rede – mir wäre jedoch nicht bekannt, dass IWF oder Bundesbank diese Qualifizierung vorgenommen hätten – und davon, dass wohl zuerst in Griechenland eine solche Vermögensabgabe fällig werden könnte. Doch meiner Meinung nach würde sich eine Vermögensabgabe im großen Stil nicht auf bestimmte Vermögen und einzelne Länder beschränken können. Anfeindungen innerhalb und unter den Nationen würden ein bisher nicht erwartetes Ausmaß annehmen. Kapitalflucht und ausbleibende Investitionen wären die Folge, nicht nur beim aktuellen Pleitekandidaten, sondern auch bei potenziellen. Eine Negativspirale würde in Gang gesetzt. Deshalb, so vermute ich, würde es wenn, zu einer EU-weit konzertierten Aktion kommen. Die Voraussetzungen für die Umsetzung einer umfassenden Vermögensabgabe werden längst geschaffen: die Abschaffung des Bankgeheimnisses, Kapitalverkehrskontrollen, Volkszählungen in der EU mit der Erhebung wichtiger Daten beispielsweise zum Immobilienbesitz und der zunehmende Trend, den Bargeldverkehr zurückzudrängen.

Trotz der verschärften Regulierung lässt der deutsche Gesetzgeber aber eines immer noch zu, den Kauf von Gold bis zu einer Grenze von 15.000 Euro bar und ohne Ausweiskontrolle. Und davon haben viele Privatanleger in Deutschland gerade im vergangenen Jahr verstärkt gebrauch gemacht. Zu Recht, denn Gold oder auch Silber sollte Bestandteil jeder Vermögensaufteilung sein. Wer Edelmetalle kaufen will, sollte jedoch darauf achten, dass er dieses von etablierten Händlern erwirbt.

Harald Rotter, Chefredakteur AnlegerPlus
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