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Kapital Medien, 11. Mai 2015
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Fremdwährungskonten

Auf Festgeld oder Tagesgeld erhält man nur noch kümmerliche Zinsen und die Aktienmärkte sind schon gut gelaufen. Da kommen risikofreudige Anleger angesichts des schwächelnden Eurokurses möglicherweise auf die Idee, mit Währungen zu spekulieren.

Nach einer rasanten Talfahrt hat sich der Euro in den letzten Wochen wieder etwas gefangen und stieg gegenüber dem US-Dollar auf über 1,11. Dennoch verstummen die Skeptiker der Einheitswährung nicht. Experten, wie der aus Heidelberg stammende Chefökonom der US-Investmentbank Goldman Sachs, Jan Hatzius, rechnen mit einer weiteren Euro-Abwertung – bis 2017 könnte der Euro nach Meinung von Hatzius unter das Niveau des Allzeittiefs von 82 Cent fallen.

Zins- und Währungsgewinne möglich
Ein solches Szenario lässt Anleger, die diese Einschätzung teilen, aufhorchen. Wie kann man von einem steigenden US-Dollar profitieren, ohne beispielsweise auf Optionsscheine zurückgreifen zu müssen? Die Antwort darauf ist: mittels Währungsanlagekonten. Angeboten werden diese von vielen Banken, beispielsweise: Comdirect, DAB-Bank, S-Broker, Maxblue und IKB.
Währungskonten sind im Grund ganz gewöhnliche Konten, auf denen das eingezahlte Geld in fremden Währungen angelegt wird. Der Anleger profitiert davon, wenn die fremde Währung gegenüber der eigenen Währung aufwertet, also an Wert gewinnt. In diesem Fall würde er beim Umtausch mehr Geld zurückerhalten, als er eingezahlt hat. Im umgekehrten Fall hätte der Anleger dagegen Verluste zu tragen.

Bei der Comdirect muss der Anleger nicht einmal ein Konto haben, um ein eigenständiges Währungsanlagenkonto (pro Währung) zu eröffnen. Dort ist eine Anlage in 13 Währungen möglich, darunter mit der Türkischen Lira und dem Australischen Dollar auch Anlagen die verzinst werden. Der Zinssatz, der im Fall der Lira bis zu 4 % betragen kann, ist variabel. Während das Währungskonto gebührenfrei geführt wird, kostet hingegen jeder Devisenkauf Gebühren. Und hier langt die Comdirect im Vergleich zu anderen Anbietern stärker zu, nämlich mit 1 % der Anlagesumme als Konvertierungsentgelt. Überweisungen in der Währung US-Dollar können dagegen weltweit ohne Konvertierungsentgelt durchgeführt werden. Allerdings gibt es auf den Dollar keine Zinsen.

Unterschiedliche Devisenkurse
Auch bei der Ermittlung des Devisenkurses unterscheidet sich die Comdirect von den meisten Mitbewerbern. Sie wendet nämlich das Commerzbank-Fixing an, während die meisten anderen Banken einen Referenzmittelkurs, den die EZB veröffentlicht, anwenden.
Anleger müssen die Konditionen also dringend vergleichen, wenn sie die Eröffnung eines Fremdwährungskontos planen. Die Gebühren sind ganz entscheidend, denn im Zusammenspiel mit den anfallenden Steuern (siehe unten) können sie einen erheblichen Teil der potenziellen Währungsgewinne wieder auffressen. Und dass es zu Währungsgewinnen kommt, ist ja in keinem Fall ausgemacht. Dann schlagen sich die höheren Kosten direkt in höheren Verlusten nieder.

Sparkassenkunden finden bei S-Broker die größte Auswahl an zu handelnden Devisen. Einen aktuellen Vergleich verschiedener Bankangebote finden Interessenten unter: www.tagesgeldvergleich.com/tagesgeldkonto/waehrungskonto.

Anlage- und Steuerrisiken
Ein Währungsanlagekonto muss aber nicht nur aus rein spekulativen Gründen geführt werden. Es bietet sich auch an, um ein Währungsrisiko abzusichern oder Zahlungen in Devisen auszuführen. Letzteres ist eher das Metier von Unternehmenskonten. Privatanleger müssen jedoch wissen, dass ein Währungsanlagekonto auch so manches Risiko birgt:
1.    Währungsverlust: Der Euro könnte wie in den letzten Tagen tatsächlich steigen und dadurch würde ein späterer Verkauf der – zum Beispiel – US-Dollar auch zu einem Währungsverlust führen.
2.    Keine Einlagensicherung: Für den Fall, dass die Bank, bei der das Währungsanlagekonto geführt wird, in Zahlungsschwierigkeiten gerät,  ist folgender Aspekt wichtig: Das EU-Einlagensicherungs- und Anlegerschutzgesetz schützt allein  Konten, die auf Euro oder anderen EU-Mitgliedstaatswährungen wie dem Britischen Pfund valutieren. Lautet das Konto auf den US-Dollar gilt die gesetzliche Staatsgarantie nicht. Dem entgegenhalten kann man, dass es auch Einlagensicherungen der Privatbanken, Sparkassen und Volksbanken gibt. Doch einen gesetzlichen Schutz genießt man in diesem Fall nicht mehr.
3.    Steuerpflicht: Wenn Zinsen aufs Konto fließen, sind diese zu versteuern. Bei unverzinsten Konten könnten Spekulationsgewinne, die nach einem Jahr Haltefrist erzielt werden, steuerfrei vereinnahmt werden. Dieser Gewinn wird in Euro ermittelt. Fällt dieser jedoch an, bevor die einjährige Frist abgelaufen ist, muss der Gewinn mit dem persönlichen Steuersatz – und nicht mit dem meist günstigeren Abgeltungssteuersatz von 25 % - versteuert werden. Daher müssen diese Gewinne vom Steuerpflichtigen auch in der Einkommensteuererklärung angegeben werden. Es erfolgt kein automatisches Abgeltungsverfahren.


Udo Reuß, Freier Wirtschaftsjournalist, www.udoreuss.de
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