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AnlegerPlus Online, 16. Oktober 2013
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Fondsmanager-Lotto

Wie eine Studie der Fondsanalysten von Morningstar zeigt, rechtfertigen die wenigsten Fondsmanager flexibler Mischfonds das in sie gesetzte Vertrauen und die hohen Managementgebühren. Eine schlechte Performance bei hoher Volatilität – kein Ruhmesblatt für die bezahlten Fondsmanager.

„Dynamische Asset-Allocation-Modelle“, „vermögensverwaltende Mischfonds“, „taktische Multi-Asset-Fonds“ – viele Namen, ein Produkt. Sie alle sind flexible Mischfonds, bei denen der Fondsmanager keiner Einschränkung bei der Wahl der Anlageklasse unterworfen ist. Er kann also beliebig beispielsweise in Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Edelmetalle umschichten, je nachdem, wo seiner Meinung nach die beste Marktentwicklung bei geringstem Risiko zu erwarten ist.

Verkauft werden die flexiblen Mischfonds von Bankberatern als Rezept gegen volatile, also sehr schwankungsanfällige, Märkte. Schließlich, so die Erklärung, kann der Fondsmanager ja auf Marktturbulenzen reagieren und, falls notwendig, auf Renten umschichten oder bei guten Voraussetzungen verstärkt auf Aktien setzen. Die Leistungsversprechen haben bei den Anlegern offenbar Wirkung gezeigt. Immerhin konnten laut Morningstar flexible Publikums-Mischfonds in Europa innerhalb eines Jahres per Ende Juni 2013 18,5 Mrd. Euro netto einsammeln.

Im Vergleich mangelhaft
Wie erfolgreich – oder besser erfolglos – Fondsmanager flexibler Mischfonds beim Verwalten des Anlegervermögens wirklich sind, zeigt eine aktuelle Morningstar-Studie. Untersucht wurden alle in Europa zum Vertrieb zugelassenen, global anlegenden flexiblen Mischfonds mit Schwerpunkt Euro. Als Vergleichsmaßstab (Benchmark) wurde ein 50:50 Aktien-Renten-Index konstruiert, der aus dem Bond-Index Barclays Capital Euro Aggregate TR und dem Aktienindex FTSE World TR besteht.

Bereits im Rahmen von Morningstar-Studien aus den Jahren 2011 und 2012 gaben flexible Mischfonds kein gutes Bild ab. In der aktuellen Studie  sieht es nicht anders aus. Denn die Performance der untersuchten gemanagten Mischfonds lässt die gewählte Benchmark nicht weit hinter sich. Vielmehr schaffen es flexible Mischfonds im Durchschnitt über keinen der untersuchten Zeiträume, die Benchmark zu schlagen, egal ob die untersuchte Laufzeit sieben Monate oder zehn Jahre betrug. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2013 lagen die flexiblen Mischfonds beispielsweise um 4,15 Prozentpunkte hinter der Benchmark, bezogen auf die letzten 12 Monate 5,3 Prozentpunkte und in den vergangenen drei oder fünf Jahren ca. 7 Prozentpunkte pro Jahr! Und das lag leider nicht an wenigen sehr schlechten Fonds, die den Durchschnitt nach unten gezogen haben.

Nur 2,2 % der Fonds konnten über drei Jahre die Benchmark schlagen
Stand Ende Juli 2013 konnten nur 16,9 % der untersuchten flexiblen Mischfonds die Benchmark in den vergangenen 12 Monaten schlagen. Blickt man weiter zurück, sieht es noch schlechter aus: Über drei Jahre konnten sogar nur erschreckende 2,2 % der flexiblen Mischfonds, also genau 18 von insgesamt 809 Fonds, den konstruierten Aktien-Renten-Index hinter sich lassen. Die Rendite der Benchmark lag in diesem Zeitraum durchschnittlich bei 8,14 % jährlich, flexible Mischfonds erzielten im Schnitt 1,35 % p. a.

Morningstar analysierte außerdem das Verhalten der Fondsmanager. Anstatt gegen den Markt zu agieren und bereits vor positiven Kursveränderungen zu kaufen bzw. vor schlechten Kursveränderungen zu verkaufen, rannten die Fondsmanager den Kursen hinterher bzw. wurden von fallenden Kursen überrascht.

Wenig Rendite, hohe Volatilität
Die schlechte Performance der untersuchten Fonds ging noch dazu einher mit einem hohen Risiko. Im Dreijahreszeitraum wiesen die Mischfonds eine Volatilität von 8 % auf. Der Vergleichsindex war mit 2,8 Prozentpunkten darunter wesentlich weniger volatil. Der maximale Verlust im Untersuchungszeitraum lag bei den flexiblen Mischfonds bei 13,6 %, auch hier schnitt der Referenzindex besser ab mit nur 5,9 %.

Die Suche nach einem Fondsmanager, der sein Geld auch wert ist, gleicht eher einem Glücksspiel. Von einer automatisch besseren Performance durch aktives Management bei flexiblen Mischfonds kann keine Rede sein.

Besser Alternativen suchen
Anstatt also bei flexiblen Mischfonds einer guten Rendite hinterherzujagen bieten sich dem Privatanleger andere Anlageformen an. ETF-Investments sind eine Alternative. Hier bekommt der Anleger immer die Performance der Benchmark, nicht mehr aber eben auch nicht weniger. Diese Anlageform besticht dazu auch noch durch ihre günstige Gebührenstruktur, die aufgrund geringer Manager- und Verwaltungsgebühren, deutlich unter der aktiv gemanagter Fonds liest.

Carolyn Friesl, Redaktion AnlegerPlus
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