Aus dem Verlag.

AnlegerPlus News, 30. November 2012
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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

 

wie die Deutsche Börse bereits Anfang des Jahres angekündigt hat, wird das First Quotation Board in seiner jetzigen Form zum 15.12.2012 geschlossen. Ursache für diese Entscheidung war unter anderem die Tatsache, dass viele – meist kleine ausländische Gesellschaften – dort ohne Prospekt und qualifizierte Angaben zu Aktienanzahl, Umsatz oder Geschäftszweck gelistet waren und so oft betrügerischen Aktienpromotions Tür und Tor geöffnet waren.

 

Mehr Transparenz – oder Rauswurf
Seit 1.7.2012 ist der Open Market in jetzt zwei alternative Segmente strukturiert: das Quotation Board und den Entry Standard. Zur Sicherstellung einer hohen Transparenz sowie Qualität und Effizienz des Handels wurden die Anforderungen für neu in das Quotation Board einbezogene Aktien und Aktien vertretende Zertifikate ab 1.10.2012 erhöht. So müssen Emittenten, die im Quotation Board weiter gelistet sein wollen, für die Dauer der Einbeziehung über einen anerkannten, börsenmäßigen Handelsplatz verfügen. Für Wertpapiere, die diese Anforderungen nicht erfüllen, wird der Handel mit Ablauf des 14.12.2012 eingestellt. Für den Entry Standard, das Segment für kleine und mittelständische Unternehmen, gelten noch strengere Voraussetzungen – so müssen Unternehmen, die dort in den Handel einbezogen werden, unter anderem ein öffentliches Angebot mit einem Prospekt erstellen.

 

Oft ist es nicht schade …
Haben Sie schon einmal von der „Jufeel HengChang Precious Metal Renewable Resource AG“ oder der „Zhihai Lightning Technology AG“ gehört? Nein? Dann haben Sie wahrscheinlich auch nicht in diese chinesischen Aktien-Perlen investiert, die weder eine deutsche Internetseite besitzen noch irgendeine Form von Geschäftszahlen veröffentlicht haben. Gut, dass die Börsennotiz dieser Unternehmen bald endet. Vorbei dürfte es auch bald mit der Börsenexistenz der Vegas77 Entertainment SE sein, die vor einiger Zeit dadurch Aufsehen erregte, dass diverse dubiose Börsenbriefe massive Kaufempfehlungen aussprachen und so den Aktienkurs bis auf 35 Euro pushten. Mittlerweile notiert die Aktie bei 0,80 Euro und ist damit wahrscheinlich immer noch zu teuer.

 

… manchmal schon
Doch manchmal kann der gut gemeinte Schuss der Deutschen Börse auch nach hinten losgehen. Es gibt Unternehmen, die bewusst auf ein Zweitlisting verzichten, um von der Börse genommen zu werden – in der Hoffnung, dass die Aktionäre die Lust an ihrem Engagement verlieren. Bestes Beispiel hierfür ist die Berliner Studio Babelsberg AG. Die Gesellschaft verfügt über ein funktionierendes Geschäftsmodell und schuldenfreies Immobilienvermögen in Potsdam. Der faire Wert der Aktie dürfte bei etwa 2 Euro liegen. Der Vorstand jedoch verzichtet auf Maßnahmen, die einen weiteren Börsenhandel ermöglichen würden, sodass auch für diese Gesellschaft das Börsen-Aus unmittelbar bevorsteht. Folge: Die Anleger flüchten aus der Aktie, der aktuelle Kurs liegt nur noch bei etwa 0,60 Euro.

Daniel Bauer, Geschäftsführer der Kapital Medien GmbH
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