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Kommentar, 5. Februar 2014
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Denn sie wussten, was sie tun!

Im Zuge der Finanzkrise haben die Staats- und Regierungschefs der G20 die Devise ausgegeben, kein Finanzprodukt und kein Finanzakteur blieben unreguliert. Gesagt, getan – exemplarisch genannt sei die sogenannte AIFM-Richtlinie, in deren Umsetzung beispielsweise Privatanleger keine Anteile mehr an Hedgefonds erwerben können oder für offene Immobilienfonds Halte- und Kündigungsfristen eingeführt wurden. Und vielleicht war das noch nicht das Ende. Vielleicht nimmt der Gesetzgeber die zahlreichen Pleiten von Mittelstandsanleihen zum Anlass, über weitere Regulierungsmaßnahmen nachzudenken.

Doch würde es im Rahmen einer freien marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung der Legislative stattdessen nicht besser zu Gesicht stehen, die Attraktivität für Privatanleger geeigneter Anlageformen zu steigern, sodass sich für den Privatanleger die Suche nach Alternativen erübrigt?!

Die Aktienanlage ist eine geeignete Anlageform für Privatanleger. Doch anstatt deren Attraktivität zu steigern, versetzten Gesetzgeber und Rechtsprechung der Anlageform regelmäßig Tiefschläge. Der Knock-out für die Aktie könnte mit dem jüngsten BGH-Urteil „geglückt“ sein, mit dem der BGH seine eigene Macrotron-Rechtsprechung ohne Not und damit meiner Meinung nach sehr bewusst gekippt hat (siehe hierzu auch Seite 48 ff. in unserer aktuellen Printausgabe AnlegerPlus 1/2014). Mit Aufgabe der Macrotron-Rechtsprechung werden künftig Delistingbekanntgaben natürlich zu negativen Kurseffekten führen. Dazu muss man keine Empirie bemühen, da reicht der gesunde Menschenverstand.

Doch dieser scheint der einschlägigen Fachpresse abhanden gekommen zu sein, die das BGH-Urteil vielfach als Schlag gegen die Anfechtungsklagen führenden „räuberischen Aktionäre“ begrüßte. Dabei sollten die Experten wissen: Anfechtungsklagen, die eigentlich eine Schutzfunktion für den Anleger erbringen, wurden spätestens mit dem UMAG zu Grabe getragen und damit auch der „räuberische“ Aktionär, sollte es ihn jemals gegeben haben. Doppelt tot hält besser?

Im Kampf gegen den verteufelten „räuberischen Aktionär“ hat sich schon immer das Deutsche Aktieninstitut (DAI) hervorgetan. Da wundert es nicht, dass eine empirische DAI-Studie, die negative Auswirkungen eines Delistings auf den Aktienkurs verneint, dem BGH-Urteil zugrunde gelegen haben soll. Doch mit der Studie war eine Nachweisführung über delistingrelevante Kurseffekte gar nicht möglich. Denn die Studienobjekte wurden unter Gültigkeit der bis dahin intakten Macrotron-Rechtsprechung ausgewertet und die bis dahin gültige Rechtsprechung verhinderte gerade negative Kurseffekte.


Mir fällt es schwer zu glauben, dass die handelnden Personen beim DAI und BGH sich dessen nicht bewusst gewesen sein sollen. Ich denke, sie wussten genau, was sie tun. Es ist nun am Gesetzgeber, dieses Rad wieder zurückzudrehen, zum Wohle aller Marktakteure.

Harald Rotter, Chefredakteur AnlegerPlus
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