Aus dem Verlag.

Kommentar, 22. April 2013
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Déjà-vu

Kürzlich las ich einen Beitrag in der Börsenzeitung zu Covered Bonds und wollte meinen Augen nicht trauen.

 

Dort wurde beschrieben, dass die weltgrößten Investoren vor einer Qualitätsverschlechterung im Markt für besicherte Anleihen (Covered Bonds) durch die Einführung neuer Sicherheiten warnen.

 

Bei den neuen Sicherheiten handelt es sich um Kredite kleinerer und mittlerer Unternehmen, deren Kreditwürdigkeit laut Börsenzeitung mit „Ramsch“ bewertet wird und die nun an die Stelle u.a. von Grundpfandrechten an Grundstücken oder Vermögenswerten des öffentlichen Sektors treten. Na vielen Dank für diese neue „Sicherheit“. Ein Kürzel hat das Ganze auch schon: SME (Small and Medium-sized Enterprises).

 

Klingt gut und macht sich auch toll in einer Reihe mit ABS oder MBS. Erinnern Sie sich noch an diese Abkürzungen? Sie stehen symbolhaft für die zurückliegende Finanzkrise und beschreiben Verbriefungskonstrukte von Zahlungsansprüchen aus Hypothekenkrediten, die u.a. an Banken verkauft wurden. Und da es sich um Ramsch-Kredite handelte, die reihenweise ausfielen, kamen investierte Banken in Bedrängnis, gingen pleite oder mussten mit Staatsgeldern am Leben gehalten werden. Verzockt mit diesen Papieren haben sich besonders viele deutsche Banken unter staatlichem Einfluss, wie z.B. die BayernLB.

 

Daher ist es schon sehr verwunderlich, dass gerade die mit Steuergeldern reanimierte Commerzbank nun den ersten „SME Structured Covered Bond“ herausgegeben hat und damit den Qualitätsverlust der unter Investoren als qualitativ hochwertig und mit einem Höchstmaß an Sicherheit eingestuften Anlageklasse einläutet.

 

Man hat aus den Lehren der Finanzkrise nichts gelernt. Künftig werden unter dem Mantel der von Banken emittierten Covered Bonds indirekt ähnliche Risiken verbrieft wie unter den ABS oder MBS dieser Welt, nämlich Ramsch. Privatanleger werden von den negativen Folgen nicht verschont bleiben. Im Zuge der Finanzkrise verloren sie in Zertifikate investiertes Geld von Pleitebanken oder sie bezahlten durch üble Wertverluste ihres angeblich todsicheren Geldmarktfonds, der leider in ABS-Produkte investiert war.

 

Nachdem ebenfalls laut einem Bericht der Börsenzeitung immer mehr Privatanleger Gefallen an Covered Bonds finden, werden vermutlich in den Vertriebsabteilungen schon unseriöse Verkaufsstrategien geschmiedet. Eine davon könnte sein, dass (ramschbesicherte) Covered Bonds, deren Bezeichnung als solche rechtlich nicht geschützt ist, in die Nähe der unter Privatanlegern als praktisch ausfallsicher geltenden Pfandbriefe gerückt werden. Anschauungsmaterial gibt es auch schon. Die Commerzbank schreibt in einer Mitteilung zu ihrem aufgelegten SME Covered Bond beispielsweise: „Bei diesem neuen Instrument handelt es sich um ein dem Pfandbrief ähnliches vertragliches Konstrukt“ und „Im aktuellen Niedrigzinsumfeld ist das Produkt eine echte Alternative für Investoren, die nach attraktiven Renditen und einer sicheren Anlage suchen.“

 

Denken Sie daher künftig immer daran, der gesetzlich geregelte Pfandbrief zählt zwar zur Gattung der Covered Bonds. Aber nicht jeder Covered Bond ist ein Pfandbrief. Lassen Sie sich dieses Märchen von niemandem verkaufen, auch nicht vom Bankberater ihres Vertrauens, und prüfen Sie genau, welche „Sicherheiten“ oder welches Risiko man Ihnen künftig für wenig Zinsen im Mantel des Covered Bonds unterjubeln möchte.

Harald Rotter, Chefredakteur AnlegerPlus
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