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AnlegerPlus Online, 21. März 2014
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Crowdbasierte Finanzierungsformen: Der feine Unterschied

Auf immer mehr Plattformen können Unternehmer und Kreative ihre Projekte vorstellen und Geld einsammeln. Doch Schwarmfinanzierung ist nicht gleich Schwarmfinanzierung.

Stromberg, der berüchtigte Bürohengst aus der gleichnamigen TV-Serie, ist gerade im Kino auf der großen Leinwand zu sehen. Möglich gemacht haben das jedoch in der Hauptsache kein Medienkonzern und keine Filmstiftung, denn Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst und sein Team gingen andere Wege, um den Film zu finanzieren.

Crowdinvesting heißt das Zauberwort, mit dem Kapital mithilfe des oft zitierten „Schwarms“ eingesammelt werden kann. Das Prinzip ist einfach: Jeder kann sein Projekt auf Internetplattformen vorstellen und versucht, mögliche Investoren zu begeistern. Die Investoren können sich dann meist mit relativ kleinen Summen am Projekt und am möglichen Gewinn beteiligen und hoffen auf eine erfolgreiche Entwicklung oder sogar einen lukrativen „Exit“, also die Übernahme durch einen anderen Investor.

Insgesamt 3,3 Mio. Euro wurden benötigt, um „Stromberg – Der Film“ zu realisieren, 1 Mio. Euro davon finanzierten sogenannte Mikroinvestoren. Anleger und Fans konnten Anteile im Wert von 50 bis höchstens 1.000 Euro erwerben. Von jedem Kinoticket ging 1 Euro zurück an die Investoren, nach etwa einem Monat und Zuschauer Nummer 1.000.000 war also das investierte Kapital wieder eingenommen – und die Gewinnzone erreicht. Denn nach der erfolgreich eingenommenen Million gehen nun von jedem Kinoticket 0,50 Euro als Gewinnbeteiligung an die Investoren.

Trend zu erkennen
Dass immer mehr Kapital über Crowdinvesting eingesammelt und diese Finanzierungsform in immer höherem Maße auch von Investoren akzeptiert wird, zeigt eine Statistik auf dem Portal Für-Gründer.de. Im Jahr 2011 waren es demnach 0,45 Mio. Euro, die insgesamt über Onlineplattformen von Mikroinvestoren an unterschiedliche Projekte flossen. Im Rekordjahr 2013 stieg dieser Wert bereits auf 15 Mio. Euro, davon entfielen allein 6,7 Mio. Euro auf das vierte Quartal 2013.

 

 

 

 

Zu dieser Entwicklung passt, dass es mehr und mehr Plattformen gibt, auf denen mögliche Investitionsprojekte vorgestellt werden. Zudem werden die Strukturen der Plattformen stetig professioneller. Sie alle haben unterschiedliche Konzepte und Teilnahmebedingungen. Das beginnt bereits bei der Mindestinvestitionssumme, auf der Plattform Companisto können Anteile ab 5 Euro erworben werden, Innovestment hat die Mindestbeteiligung auf 500 Euro festgesetzt. Auf manchen Plattformen können Anleger sich mit Genussrechten oder Darlehen beteiligen, auf der Plattform Bergfürst wurde im Jahr 2013 sogar die erste crowdbasierte Aktienemission durchgeführt.

Wenige Projekte werfen Gewinn ab
Der schnelle Erfolg des Stromberg-Films ist natürlich in erster Linie auf die treue Fangemeinde der TV-Serie zurückzuführen. Doch nicht alle Projekte, die vom Schwarm finanziert werden, erleben solch ein Happy End. Vielmehr scheitern viele Start-Ups und Projekte, das investierte Geld muss dann oft vollständig abgeschrieben werden.

Darüber hinaus gibt es kaum Regulierung beim Crowdinvestment, d. h. es gibt keine festgelegten Standards, nach denen ein Investment geregelt ist oder nach denen Informationen, wie z. B. der Geschäftsbericht, herausgegeben werden müssen, wie das beispielsweise beim Börsengang der Fall ist. Oft beteiligen sich die Mikroinvestoren mit nachrangigen Darlehen oder Genussrechten, die im Fall einer Insolvenz ganz hinten in der Gläubigerkette stehen. Vom Investment kommt in diesem Fall nach aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr viel oder gar nichts zurück. Auch eine Mitbestimmung ist üblicherweise nicht vorgesehen, im besten Fall werden die Investoren regelmäßig über den Stand des Projekts auf dem Laufenden gehalten.

Transparenz ist also Glückssache. Denn wie genau die Projekte vor der Finanzierungsrunde beschrieben werden und welche Informationen herausgegeben werden, darauf haben Investoren keinen Einfluss. Daher sollte vor einem Investment das Geschäftsmodell genau überprüft werden, und zwar nicht nur auf Profitabilität, sondern auch auf Verständlichkeit. Von zu komplexen Projekten sollte Abstand genommen werden.

Crowdfunding, Crowdlending, Crowdinvesting
Das oben erklärte Crowdinvesting sollte übrigens nicht mit anderen Arten der Schwarmfinanzierung verwechselt werden, auch wenn die Begriffe sehr flexibel verwendet werden. Das typische Crowdfunding ist nämlich eher als Spendensammlung denn als Geldanlage zu beschreiben. Vor allem kreative oder gemeinnützige Projekte gehen diesen Weg, um Kapital einzusammeln. Die Geldgeber erhalten hier keine finanzielle Rendite, sondern werden je nach Geldeinsatz mit mehr oder weniger wertvollen Sach- oder Dienstleistungen belohnt. Der Musiker Max Giesinger finanzierte beispielsweise sein erstes Album ganz ohne Plattenfirma mithilfe von Crowdfunding auf der Plattform Startnext und sammelte so knapp 24.000 Euro ein. Als Dankeschön gab es für die Geldgeber je nach Betrag handsignierte Fotos, einen Geburtstagsanruf oder ein Wohnzimmerkonzert.

Auch hier sprechen die Zahlen der Statistik eine klare Sprache: Crowdfunding wird immer beliebter. Im Jahr 2011 wurden knapp 500.000 Euro mit Crowdfunding eingesammelt, im Jahr 2013 waren es bereits über 5 Mio. Euro. Neben dem Marktführer Startnext gibt es ständig neue Plattformen, die sich auf bestimmte Themenbereiche spezialisieren. Dazu gehört z. B. Krautreporter, das Geld für deutsche Journalismus-Projekte einsammelt.

Darüber hinaus gibt es das noch neuartigere Crowdlending. Hier steht vor allem der Gedanke im Vordergrund, Privatpersonen oder Unternehmen Kredite zu vermitteln, die nicht genügend Bonität für einen Bankkredit aufweisen. Die Zinsen scheinen hier zwar attraktiv, allerdings ist das Risiko sehr hoch. Zudem befindet sich das Konzept Crowdlending in der Anfangsphase. Die Gefahr, Geld aufgrund von „Kinderkrankheiten“ der Plattformen zu verlieren, ist hier in hohem Maße gegeben.

Den Überblick behalten
Ein Problem der noch jungen crowdbasierten Anlage- bzw. Finanzierungsformen ist, dass die Begriffe häufig sehr willkürlich verwendet werden. Oft sind Projekte, die eigentlich Investoren ansprechen sollen, mit dem Begriff Crowdfunding überschrieben. Genauso wie andersherum Projekte, die eigentlich nur Geld einsammeln wollen und den Geldgebern ideelle oder Sachleistungen bieten, unter Crowdinvesting laufen. Im Deutschen gibt es nur den Begriff „Schwarmfinanzierung“, der undifferenziert alle crowdbasierten Finanzierungsformen zusammenfasst.

Für Anleger heißt es schließlich, sich genau zu informieren und auszuwählen, welche Projekte es wert sind, ihnen Kapital zu überlassen. Nicht viele Start-Ups und Projekte werfen Gewinn ab, hinter den wenigsten Finanzierungsrunden lauert eine Unternehmensgründung, die so erfolgreich wird wie das soziale Netzwerk Facebook. Nicht nur beim Crowdfunding, auch beim Crowdinvesting muss daher der Grundsatz lauten: Nicht mehr investieren als ohne Not als Totalverlust abgehakt werden kann!

Carolyn Friesl, Redaktion AnlegerPlus
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