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SdK, 27. April 2015
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BMW AG: Das Unternehmen des Jahres 2014

Wie im Vorjahr konnte sich auch bei der diesjährigen Wahl zum Unternehmen des Jahres, die von der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. zum dritten Mal durchgeführt wurde, ein Autokonzern durchsetzen: die BMW AG. Anlässlich der Auszeichnung haben wir uns mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Reithofer unterhalten.

Am Ende schaffte es BMW als Erster über die Zielmarke. Mit 18,3 % aller abgegebenen Stimmen entschied der bayerische Autokonzern unter 14 Firmen das Rennen um die Wahl zum „Unternehmen des Jahres 2014“, zu der die Leser von AnlegerPlus, die Mitglieder der SdK und die Depotkunden der ING-DiBa aufgerufen waren. Unterstützt wurde die Aktion von den beiden Kooperationspartnern, der Wertpapierbörse Tradegate und der bereits genannten Direktbank ING-DiBa.
Mit ihrem Votum honorierten die Teilnehmer die herausragenden Erfolge des Traditionskonzerns BMW im operativen Geschäft und der Investor-Relations-Arbeit.

AnlegerPlus: Herr Dr. Reithofer, herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung der BMW AG als „Unternehmen des Jahres 2014“ durch die Leser von AnlegerPlus und die Mitglieder der SdK. Was sind bei BMW die Fundamente von Shareholder-Value?
Dr. Reithofer: Wir streben seit geraumer Zeit anspruchsvolle Profitabilitätsziele an und haben diese in den vergangenen fünf Jahren auch erreicht. Wesentlicher Garant für eine positive Wahrnehmung am Kapitalmarkt ist aus unserer Sicht eine nachhaltige und solide Profitabilität, verbunden mit einem dynamischen Wachstum.

Wie werden diese Leitlinien in der täglichen IR-Arbeit umgesetzt?
In der Finanzkommunikation und der Investor-Relations-Arbeit legen wir großen Wert auf einen offenen und fairen Dialog mit unseren Investoren. Dafür bekommen wir vom Kapitalmarkt positives Feedback. Unsere Zukunftsorientierung spiegelt sich aus meiner Sicht auch in der Kursentwicklung der BMW-Aktie wider. Seit Ende 2007 sind unsere Stammaktien um rund 180 % gestiegen, während der DAX im Vergleich lediglich um 45 % zulegen konnte.

Worauf kommt es Ihnen in der Wahrnehmung von BMW bei den Investoren an?
Transparenz, Klarheit, Verlässlichkeit und langfristiges Denken sind Prinzipien, die uns wichtig sind. Wir sehen unsere Investoren als Partner.

Und wo sehen Sie Ansatzpunkte, um die Aktionärspolitik noch weiter zu verbessern?
Wir haben uns vorgenommen, uns zukünftig noch spezifischer um die Bedürfnisse von Investoren zu kümmern. Dazu gehört auch, dass wir uns regelmäßig mit der Aktionärsstruktur und der Fremdkapitalinvestorenbasis auseinandersetzen und darauf entsprechend reagieren, um so auch neue Investoren zu gewinnen.

Die Aktionärsstruktur von BMW ist davon gekennzeichnet, dass sich mehr als 46 % der Firmenanteile im Besitz der Familie Quandt befinden. Welche Vorteile bietet der Einfluss von Familien im operativen Geschäft von Großkonzernen wie BMW?

Unsere Aktionärsstruktur erlaubt es uns, langfristig zu denken und zu handeln.

In welchen Etappen der Unternehmensgeschichte und besonderen Situation war die Rolle der Familie Quandt für BMW besonders wichtig?
Die schwere Unternehmenskrise ab Mitte der 50er-Jahre hätte bekanntlich fast das Ende der Selbstständigkeit bei BMW bedeutet. Ein Verkauf des Unternehmens konnte damals nur durch das beherzte Eingreifen von Kleinaktionären und BMW-Händlern verhindert werden. Herbert Quandt hat mit seinem Engagement damals die Voraussetzungen für den Aufstieg des Unternehmens zum heute weltweit führenden Hersteller von Premiumfahrzeugen geschaffen.

Dabei gab es auch in der jüngeren Geschichte einige prekäre Situationen.
Das Unternehmen hat auch bei zahlreichen weiteren Herausforderungen wie der Trennung von Rover oder während der Finanzkrise ab 2008 wichtigen Rückhalt durch die Großaktionäre erhalten. So konnten wir auch in der Krise weiterhin in unsere Zukunft investieren und damit die Weichen für eine erfolgreiche Geschäftsentwicklung stellen.

Was war Ihre bislang schwierigste Entscheidung als Vorstandsvorsitzender der BMW AG?
Herausfordernd war beispielsweise die bereits erwähnte Finanz- und Wirtschaftskrise. Eine solche Situation hatte ich nie zuvor erlebt. Die wirtschaftlichen Verwerfungen waren in dieser Zeit bekanntlich enorm. Wir mussten damals das Unternehmen da durchmanövrieren, ohne dass es Schaden nimmt.

BMW hat 2014 erstmals mehr als zwei Millionen Fahrzeuge weltweit verkauft. Dieses Jahr soll das Wachstum im einstelligen Prozentbereich liegen. Was sehen Sie als die wichtigsten Zielsetzungen für das laufende Geschäftsjahr und die größten Herausforderungen?
Wir sind mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr zuversichtlich und streben bei Absatz und Konzernergebnis vor Steuern solide Zuwächse auf jeweils neue Bestmarken an. Dabei gehen wir jedoch weiterhin von einem volatilen wirtschaftlichen und politischen Umfeld aus. In einigen Märkten dürften die Automobilhersteller also weiterhin vor Herausforderungen stehen.

Erwarten Sie für 2015 eine nachhaltige Erholung des europäischen Automarkts? In welchen Ländern sehen Sie das größte Aufholpotenzial?
Weltweit werden die Automobilmärkte im laufenden Jahr nach unserer Einschätzung um rund 3 % auf etwa 83 Millionen Fahrzeuge wachsen. In Europa dürfte sich in den meisten Märkten die Erholung weiter fortsetzen. Allerdings werden einige wichtige Märkte wie Deutschland oder Italien dabei nur leicht wachsen. In Spanien wird dagegen beispielsweise der Wirtschaftsaufschwung sich voraussichtlich positiv auf den dortigen Automobilmarkt auswirken.

Mit dem i3 hat BMW technologisches Neuland betreten. Sehen Sie in Firmen wie Apple und Google künftige Wettbewerber für die Modelle i3 und i8?
Grundsätzlich nehmen wir jeden Wettbewerber ernst. Wir sind durch mögliche neue Wettbewerber aus dem IT-Bereich aber nicht beunruhigt, auch wenn diese Unternehmen über erhebliche Ressourcen verfügen. Die Automobilindustrie ist bereits heute sehr wettbewerbsintensiv und innovationsstark. Wir verfügen zudem über sehr viel Erfahrung im Automobilbau wie auch bei neuen Technologien wie der Elektromobilität. Wir fahren mit unseren innovativen i-Fahrzeugen an der Spitze der Automobilindustrie und sind durch ConnectedDrive auch bei digitalen Angeboten führend.

Mit zuletzt 9,6 % im Segment Automobile hat BMW eine der höchsten operativen Margen in der gesamten Autoindustrie. Wie lässt sich dieser Wert im Sinne von Shareholder-Value langfristig weiter steigern?
Wir streben bereits seit Jahren im Automobilsegment eine EBIT-Rendite von 8 bis 10 % an. Dieses Ziel haben wir im abgelaufenen Geschäftsjahr wie auch in den Jahren zuvor kontinuierlich erreicht.

Das klingt zurückhaltend.
Angesichts der zahlreichen Herausforderungen in unserer Branche wie beispielsweise der zukünftigen gesetzlichen CO₂ -Anforderungen oder der anhaltenden volatilen Rahmenbedingungen in vielen Märkten halten wir eine Rendite von 8 bis 10 % im Automobilsegment nach wie vor für ein anspruchsvolles Ziel, das wir auch weiterhin anstreben. Wir arbeiten alle gemeinsam hart daran, diesen Korridor auch in Zukunft zu erreichen.

Das Interview führte Stefan Riedel.

Redaktion AnlegerPlus
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