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AnlegerPlus Online, 2. März 2015
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Beratungsprotokoll und Produktinformationsblatt: Kunden sind zufrieden

Eine Studie zeigt, vor allem aktive und finanziell gebildete Anleger schätzen Beratungsprotokolle und Produktinformationsblätter. Die Finanzbranche versucht sich allerdings gegen die verordnete Transparenz zu wehren, Anlegerschützer sehen vor allem Beratungsprotokolle kritisch.

Seit fünf Jahren müssen Anlageberater ihren Kunden nach einer Beratung ein sogenanntes Beratungsprotokoll aushändigen. Das soll dokumentieren, welche Empfehlungen gegeben wurden und die Position des Kunden im Falle eines Rechtstreites stärken. Seit der Einführung des Protokolls hagelt es Kritik von allen Seiten. Die Finanzbranche beschwert sich über den damit verbundenen Mehraufwand bei der Beratung, viele Banken stiegen sogar ganz aus der Anlageberatung aus. Verbraucherschützer kritisierten die unzureichende Detailtiefe der Protokolle.

Zusätzlich zum Beratungsprotokoll hat der Gesetzgeber dann 2011 die Erstellung und Aushändigung von Produktinformationsblättern zur Pflicht gemacht. Auf wenigen Seiten sollen dort Risiken und Chancen einer Anlage für den Anleger transparent und einfach dargestellt werden. Geht es nach den Verbraucherschützern, ist das jedoch nicht der richtige Weg. Sie sehen den Missstand weniger in der Komplexität der Finanzprodukte als im mangelnden Finanzwissen der Anleger und letzteres wird durch die sogenannten PIBs nicht verbessert.

Nur eine Gruppe scheint sowohl mit Beratungsprotokoll als auch dem Produktinformationsblatt ziemlich zufrieden zu sein: die Kunden selbst.

Nur wenige sehen keinen Nutzen
Das fand die EBS Business School im Rahmen einer Studie heraus, für die etwas mehr als 1000 Personen befragt wurden. Nur 9 bis 11 % der befragten Anleger sahen danach keinen Nutzen im Beratungsprotokoll und Produktinformationsblättern. Besonders aktive und finanziell gebildete Verbraucher, die sich häufiger beraten lassen, finden das Beratungsprotokolle und Produktinformationsblätter nützlich. Für Verbraucher mit geringer finanzieller Allgemeinbildung bzw. geringer Beratungserfahrung war die reine Bereitstellung von Informationen wenig hilfreich.

Beratungsprotokoll und Produktinformationsblatt wurden offenbar insbesondere von Anlegern positiv beurteilt, wenn sie für die Befragten die Nachvollziehbarkeit der Beratung oder das Verständnis der Anlage verbessert haben. Die große Mehrheit der Befragten, die das Beratungsprotokoll als sehr nützlich einschätzten, gaben auch an, dass das ihnen das Protokoll eher oder sehr bei der Nachvollziehbarkeit der Beratung geholfen hat. Darüber hinaus erfassten Sie auch die Kosten leichter, die mit der Beratung und dem empfohlenen Produkt verbunden sind.

Ähnlich verhält es sich mit dem Produktinformationsblatt. Auch hier gab die Mehrheit der finanzaffinen Befragten an, dass sie durch das Infoblatt die Funktionsweise der Anlage und ihre Chancen und Risiken besser verstanden hätten und die damit verbundenen Kosten und Provisionen besser einschätzen konnten.

Anlegerschützer kritisch gegenüber Beratungsprotokollen
Auch Daniel Bauer, Mitglied des Vorstands der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V., kann Produktinformationsblättern Positives abgewinnen: „Unsere bisherige Erfahrung zeigt, dass Produktinformationsblätter deshalb gut angenommen werden, da diese im Vergleich zu anderen Unterlagen wie Emissionsprospekten und Geschäftsberichten meist einen sehr guten Überblick über die Geschäftstätigkeiten liefern und die Anleger nicht überfordern.“

Kritischer sieht der Anlegerschützer allerdings die Beratungsprotokolle, die Anleger im Fall des Falles, sprich dem Rechtsstreit, vermutlich eher benachteiligen: „Viele Anleger scheinen in der konkreten Beratungssituation aufgrund des mangelnden Verständnisses für Finanzprodukte überfordert und trauen sich dies jedoch nicht offen anzusprechen. Das Beratungsprotokoll hilft in diesen Fällen dann aber im Streitfall eher dem Berater. Denn er kann dann vor Gericht nachweisen, dass er dem Anleger alle Risiken aufgezeigt hat. Dass der Anleger die Risiken vermutlich gar nicht richtig einschätzen konnte, fällt dabei unter den Tisch. Außerdem“, meint der Vorstand der SdK, „verursachen Beratungsprotokolle oft einen zusätzlichen bürokratischen Aufwand. Daher schrecken viele seriöse Anlageberater davor zurück, sinnvolle Investments zu verkaufen. Sie bringen stattdessen lieber weniger geeignete Standardprodukte an den Mann oder die Frau, um das eigene Haftungsrisiko zu minimieren.“

Carolyn Friesl, Redaktion AnlegerPlus
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