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Kommentar, 28. Dezember 2013
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Apokalyptische Gedanken

Wussten Sie, dass die Europaflagge, das Symbol der Europäischen Gemeinschaft, auf einem apokalyptischen Bibelbild basiert? Die Urheberschaft der Europaflagge geht auf Paul M. G. Lévi zurück. Mitte der 1950er-Jahre wurde ein Symbol der europäischen Einigung gesucht. Lévi, damals Direktor des Pressedienstes im Europarat, kam die Idee mit dem Sternenkranz, als er einen solchen über verschiedenen Marienstatuen gesehen hatte. Diese Mariendarstellung, auch Mondsichelmadonna genannt, wurde geprägt von der Offenbarung des Johannes und der dort beschriebenen biblischen Apokalypse. Die Farbe Blau gilt in der christlichen Symbolik als himmlische Farbe und wird traditionell auch der Gottesmutter Maria zugewiesen.
 
Der „europäische Patient“ dürfte sich derzeit jedoch chronisch höllisch schlecht fühlen. Der europäische Einigungsprozess war in seiner über 60-jährigen Geschichte vermutlich niemals gefährdeter als heute. In tiefer Rezession steckende, hochverschuldete Volkswirtschaften, soziale Unruhen und medial aufgebauschte Feindbilder vermitteln eine apokalyptische Bestandsaufnahme. Zur Bekämpfung dieses Zustands haben sich Politik und Notenbanken, allen voran die EZB, längst zu einem „Dreamteam“ zusammengefunden. Durch Rettungsfonds, Bail-outs, Bail-ins und eine durch Niedrigstzinspolitik ausgelöste Liquiditätsschwemme soll die Finanz- und Staatsschuldenkrise bewältigt werden. Wer’s glaubt, wird selig. Wer’s nicht glaubt, geht wohl eher von künftigen Schuldenschnitten und Vermögensabgaben aus.

Eines hat die Geldpolitik jedoch erreicht: steigende Kurse an den Börsen. Und bei den nicht investierten Anlegern dürfte genau dies apokalyptische Gedanken auslösen. Viele wünschen sich einen – zumindest kleinen – Börsencrash, um billiger in den Markt einsteigen zu können. Dabei impliziert ein Performance-DAX von 9.000 Punkten allein aber noch kein Crashszenario. Und um den europäischen Patienten schert sich der DAX schon länger nicht mehr. Die starke Entwicklung des Performance-DAX in den vergangenen Jahren ist vor allem seiner Berechnungsmethode geschuldet. Der Kurs-DAX dagegen, der das Kursniveau der im DAX vertretenen Aktien widerspiegelt, liegt heute noch um ca. 24 % unter seinem Höchststand.  Von einem Rekordhoch sind wir also noch weit entfernt. Verbesserte Konjunkturaussichten verbunden mit der Aussicht auf weiter hohe Liquidität im Markt dank niedriger Zinsen lassen von dieser Seite aus im Moment keinen Crash befürchten.

Es gibt natürlich auch viele Risikofaktoren, die die Börsenparty schnell beenden könnten. Aber das Auf und Ab gehört an der Börse letztendlich dazu. Wer jedoch langfristig in qualitativ gute Sachwerte kombiniert mit dem Value-Gedanken investiert, der hat sein Vermögen optimal angelegt und ist dabei gleichzeitig unabhängig von Indexständen und Einstiegszeitpunkten. Daher bleiben wir wie im Vorjahr „Pro Aktie“ und begleiten Sie dahingehend online, mit unserer Sonderausgabe AnlegerLand und 2014 wieder mit AnlegerPlus zu hoffentlich guten Investments.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familien einen guten Abschluss des Jahres 2013 alles Gute für 2014.

 

Harald Rotter, Chefredakteur AnlegerPlus
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