Aus dem Verlag.

Kommentar, 18. November 2013
SprechblaseEdiKMgespiegelt.jpg

Äpfel- und Birnenzeit

Wir gehen mit großen Schritten auf das Jahresende zu. Und am Jahresende wird immer Bilanz gezogen. Das gilt auch für die Aktienmärkte. Man wird die Indizes dieser Welt miteinander vergleichen. Wer sind die Outperformer (Gewinner) und wer die Underperformer (Verlierer)?

Bei solchen Gegenüberstellungen ist immer von entscheidender Bedeutung, dass nur miteinander vergleichen wird, was auch miteinander verglichen werden kann. Bezogen auf Aktienindizes bedeutet dies, dass nur Indizes gegenübergestellt werden dürfen, die nach der gleichen Berechnungsmethode ermittelt wurden. Und hier gilt es, Kurs- und Performanceindizes zu unterscheiden.

Beim Kursindex (auch Preisindex) wird der Indexstand ausschließlich auf Basis der Aktienkurse ermittelt. Beispielsweise vermindert sich der Kursindex um den Dividendenabschlag einer im Index enthaltenden Aktie. Bei der Berechnung des Performanceindex (auch TR Total Return Index) wird dieser Dividendenabschlag einfach nicht vollzogen. Je höher die gezahlten Dividenden sind, umso deutlicher liegt der Kursindex hinter dem Performanceindex zurück.

Insofern kann die Entwicklung eines Kursindex nicht einfach mit der eines Performanceindex verglichen werden. Und dennoch wird es immer wieder gemacht. Wenn in den Medien vom DAX die Rede ist, so ist damit immer der Performanceindex (ISIN DE0008469008) gemeint und nicht der Kursindex (ISIN DE0008467440). Wird dagegen auf andere bedeutende Aktienindizes (Dow Jones, S & P 500, Nikkei, FTSE, EURO STOXX 50) Bezug genommen, so ist dabei in aller Regel die Kursindex-Variante gemeint. Ein Vergleich des DAX mit diesen Indizes ist aber wie der Vergleich von Äpfeln mit Birnen und das Ergebnis verfälscht.

Ein Beispiel macht dies sehr deutlich. Kürzlich hat eine deutsche Bank die Aktienkursentwicklung der 30 DAX-Titel 2013 mit der Entwicklung des DAX verglichen. Nun notierten die Aktienkurse zum Stand der Studie am 19.9.2013 schon ex Dividende und hätten daher mit der Entwicklung des DAX-Kursindex verglichen werden müssen. Das Ergebnis der Bankstudie: „Nur“ 10 Aktien schnitten besser ab als der DAX. Ein Vergleich – richtigerweise – mit dem DAX-Kursindex hätte ergeben, dass sich 14 Werte besser entwickelt haben als der Index.

Wenn Sie sich also am Jahresende die Entwicklung Ihres Depots ansehen und diese hinter der Entwicklung des DAX zurückgeblieben ist, grämen Sie sich nicht. Denn sofern Sie Dividendentitel im Depot gehabt und Sie die ausgezahlten Dividenden nicht reinvestiert haben, ist der DAX einfach nicht die richtige Bezugsgröße für Ihren Vergleich. Bei der Beurteilung ihres Anlageerfolgs wäre dann eher der Kurs-DAX die bessere Bezugsgröße.

Es ist nicht auszuschließen, dass auch uns in der Vergangenheit der ein oder andere fehlerhafte Vergleich unterlaufen ist. Und aus Gewohnheit (auch die der Leser) veröffentlichen wir über unseren Kurslisten am Ende des Heftes auch immer noch die Stände der Performanceindizes. Wir werden künftig aber noch deutlicher darauf achten, dass bei uns Äpfel und Birnen jeweils in den richtigen Korb gelegt werden.

Harald Rotter, Chefredakteur AnlegerPlus
Design Linkable